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Kündigung erhalten? Was nun?

Sie haben eine Kündigung von Ihrem Arbeitgeber erhalten? Hier können Sie lesen, was Sie jetzt tun müssen. 

1. Ruhe bewahren

Es ist natürlich, dass man sich im ersten Moment überwältigt oder sogar geschockt fühlt. Atmen Sie tief durch und versuchen Sie, nicht impulsiv zu reagieren. Vermeiden Sie es, sofortige Entscheidungen zu treffen oder emotional geladene Aussagen gegenüber Kollegen oder Vorgesetzten zu machen. Insbesondere sollte Sie die Kündigung nicht zum Anlass nehmen, dem Chef mal so richtig die Meinung zu geigen. Dieses könnte er nämlich als Anlass nehmen, um Ihnen noch eine zweite Kündigung hinterher zu schießen, wodurch man später im Prozess eventuell viel schlechtere Karten hat. Darum also bitte Ruhe bewahren. 

2. Nichts unterschreiben

Wenn Sie eine Kündigung erhalten, kann es vorkommen, dass Ihnen Ihr Arbeitgeber zusätzliche Dokumente zur Unterschrift vorlegt. Für Sie gilt, auf keinen Fall etwas unterschreiben, nicht mal eine Empfangsbestätigung. Hierzu sind Sie nicht verpflichtet. Lassen Sie alles Ihren Rechtsanwalt prüfen, dieser kann einschätzen, was unterschrieben werden kann und was nicht. 

3. Fachanwalt für Arbeitsrecht aufsuchen

Suchen Sie sofort einen Fachanwalt für Arbeitsrecht auf, sobald Sie eine Kündigung erhalten haben. Bitte gehen Sie zu einem Spezialisten. Arbeitsrecht ist eine komplizierte Materie und bloß weil Ihr Anwalt mal einen Verkehrsunfall gut abgewickelt hat, heißt das noch lange nicht, dass er ein guter Arbeitsrechtlicher ist. Wenn Sie Augenprobleme haben gehen Sie schließlich auch nicht zum Kardiologen. 

Warum ist es wichtig unverzüglich einen Anwalt zu kontaktieren.  

a) 3-Wochen Frist 

Ab Erhalt der Kündigung haben Sie nur 3 Wochen Zeit hiergegen Klage einzureichen. Verpassen Sie diese Frist können Sie grundsätzlich nichts mehr gegen die Kündigung unternehmen, selbst wenn diese eigentlich unwirksam war. Geregelt ist das in § 4 KSchG (Kündigungsschutzgesetz) und § 7 KSchG. Dort heißt es unter anderem in § 4 KSchG

Will ein Arbeitnehmer geltend machen, dass eine Kündigung sozial ungerechtfertigt oder aus anderen Gründen rechtsunwirksam ist, so muss er innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung Klage beim Arbeitsgericht auf Feststellung erheben, dass das Arbeitsverhältnis durch die Kündigung nicht aufgelöst ist. 
Weiter heißt es in § 7 KSchG:
 
 
Wird die Rechtsunwirksamkeit einer Kündigung nicht rechtzeitig geltend gemacht (§ 4 Satz 1, §§ 5 und 6), so gilt die Kündigung als von Anfang an rechtswirksam; ein vom Arbeitnehmer nach § 2 erklärter Vorbehalt erlischt.
 

b) Mangelnde Bevollmächtigung 

Aus unserer Praxis wissen wir, dass arbeitgeberseitig häufig die Kündigung von Personen unterschrieben sind, dei eigenlich nicht befug sind, den Arbeitgeber zu vertreten. Die Konsequenz hieraus ist, dass der Arbeitnehmer in diesem Fall die Kündigung nach § 174 BGB zurückweisen kann. Die Zurückweisung muss unverzüglich erfolgen, dass heißt maximal nach 7 Tagen, wenn keine besonderen Umstände vorliegen. 

Eine Zurückweisung hat die Konsequenz, dass die Kündigung unwirksam ist. Nun kann natürlich der Arbeitgeber diesen Mangel heilen, in dem er nun eine formal korrekte Kündigung ausspricht. Allerdings können hier schon mal 1-2 Wochen vergehen, was in manchen Fällen gravierende Ursachen haben kann. Hierzu ein Beispiel aus der Praxis:

Beispiel 1:

Arbeitnehmer A hat eine Kündigungsfrist von 3 Monaten zum Quartalsende. Am 27.06.2023 stellt ihm der Arbeitgeber eine Kündigung zu mit Wirkung zum 30.09.2023. Die Kündigung ist vom Abteilungsleiter unterzeichnet, der keine Vertretungsberechtigung besitzt. Am 01.07.2023 weist der Rechtsanwalt des Arbeitnehmers die Kündigung wirksam zurück. Nun musste der Arbeitgeber eine neue Kündigung ausprechen und zwar mit Wirkung zum 31.12.2023, weil er die Frist im Juni durch die Zurückweisung nicht mehr einhalten kann. Hier hat der Arbeitnehmer durch eine einfache Maßnahme drei Monate gewonnen, weil er schnell reagiert hat.   

Ein Muster für eine Zurückweisung finden Sie hier.

c) Fazit

Warten Sie nicht zu lange und ziehen Sie umgehend nach Erhal einer Kündigung einen Rechtsanwalt zu Rat. Bei uns können Sie völlig kostenlose eine Erstberatung (per Telefon oder per Video) in Anspruch nehmen und das bequem von zu Hause. 

4. Bei der Arbeitsagentur melden

Sobald einem bekannt ist dass man arbeitslos werden wird, ist man verpflichtet, sich sofort bei der Arbeitsagentur zu melden. Tut man das nicht innerhalb von 3 Tagen nachdem man die Kündigung erhalten hat, bekommt man beim Arbeitslosengeld eine Sperrzeit. Dauert es noch mehr als 3 Monate bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses – dann reicht es, wenn man spätestens einen Tag vor Ablauf der 3-Monats-Frist bei der Arbeitsagentur erscheint. Besser ist, man geht 3 Monate plus 1 Woche früher dort hin.

Beispiel: Der Arbeitnehmer Herr Mustermann erhält am 28.01.2022 eine Kündigung. Aufgrund seiner langjährigen Beschäftigung beträgt die Kündigungsfrist 6 Monate, somit ist er zum 01.08.2022 arbeitslos (sofern er bis dahin keinen neuen Job findet). Laut der oben genannten Frist muss er sich bis spätestens am 30.04.2022 arbeitssuchend melden. 

Sie können sich bei der Arbeitsagentur auch Online arbeitslos melden.

5. Jetzt Ansprüche prüfen!

Prüfen Sie jetzt mit unserem Sofort-Check Ihre Kündigung und erfahren Sie wie hoch eine potentielle Abfindung sein könnte.

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